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Lebenseingeschränkte Mitmenschen

Verantwortlicher Autor: Peter-G. Rademacher ENA Oliver Schöpf DVPJ Teningen, 19.08.2021, 13:15 Uhr
Presse-Ressort von: Peter-Georg Rademacher Bericht 5967x gelesen

Teningen [ENA] Die Versorgung lebenseingeschränkter Mitmenschen In unserem letzten Artikel haben wir ein Thema beleuchtet, das uns sehr am Herzen liegt. Schon immer haben wir unseren Blick auf die Lebensumstände lebenseingeschränkter Menschen und die damit zusammenhängenden Herausforderungen gerichtet. Auch die vielen Aufrufe unseres letzen Artikels haben gezeigt, dass sich viele Menschen mit diesem gesellschaftlichen und

sozialen Thema auseinandersetzen. Mit Recht wird auch darauf hingewiesen, dass in unserem Lande Menschen mit Lebenseinschränkungen oder Behinderung vergleichsweise gut versorgt sind. Doch wie hatte ein bekannter Fußballtrainer schon formuliert: „Solange es besser geht, ist gut nicht gut genug.“ Schon lange gehen wir durch Zeiten, die von Pflegenotstand, Fallpauschalen der Krankenkassen, profitorientierte Träger von Pflegeeinrichtungen und Sozialstationen, etc bestimmt sind. Wie erschreckend prekär die Situation bereits ist, zeigt ein Kommentar eines im Verband organisierten Pflegedienstleiters in einer Fernsehdiskussionsrunde:

„Wenn wir in der Pflege so weiter machen, müssen wir uns auch bald über Euthanasieprogramme unterhalten.“ Die Empörung über diesen ernst und keineswegs zynischen gemeinten Kommentar blieb aus, was uns zu denken geben sollte. Nicht nur dass wir unser individuelles Bewusstsein im Alltag für Menschen mit Lebenseinschränkungen schulen, sondern auch unser System überdenken müssen, ist eine große Aufgabe für unsere und die folgende Generation. Wir Bürger stehen in der Verantwortung, denn unsere ureigenen Soziainstinkte sind kompromittiert. Eigentlich ist es unsere Scham, die uns wegschauen lässt, denn wir Alle wissen es besser.

. In den 80er Jahren warnten schon die Wirtschaftswissenschaftler vor den Nebenwirkungen deregulierter Märkte auf unsere Sozialstrukturen. Uns wurde erklärt, dass ein dichtes und funktionierendes Sozialsystem schlichtweg zu teuer ist. Diese Erklärung lässt uns zwar besser schlafen, ist aber eine Verfehlung des Themas. Effektive Medizin, nachhaltige Nahrungsmittel- und Energieproduktion, fürsorgliche Pflege, menschengerechter Wohnungsbau und Vieles mehr ist nicht zu teuer, wenn man keinen Profit daraus schlagen will. Sicherlich müssen Löhne ausreichend gezahlt, Liegenschaften unterhalten und Material sowie Expertise beschafft und erworben werden, aber dann ist die Rechnung auch schon fertig.

Eine Krankenversicherung, die jährlich riesige Renditen einfährt und sie nicht an die bedürftigen Versicherten zu deren Versorgung weitergibt, ist genauso fehl am Platz, wie das Prinzip möglichst viele Versorgungsfeststellungen abzulehnen um die Rendite hochzuhalten. Die soziale Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft lässt sich daran bemessen, wie eben diese ihre Kinder auf der einen und ihre Kranken und Bedürftigen auf der anderen Seite umsorgt und behandelt. In unserer Gesellschaft bedeutet Armut in Verbindung mit Krankheit immer eine zusätzliche Einschränkung der Lebensqualität und insofern auch der Lebenserwartung.

Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass noch schnell Geld an Schwerstkranken verdient werden muss, bevor sie diese Welt verlassen. Pharmakonzerne dürfen die Preise für Medikamente willkürlich festlegen. Das führt dazu, dass wichtige Medikamente für Schwerstkranke astronomisch verteuert werden oder ganz vom Markt verschwinden, wenn diese nicht durch Patente und Lizenzen für die Pharmakonzerne geschützt werden können und somit billig und frei für die Medizin verfügbar sein könnten. Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte, die sich so im fernen Afrika zugetragen haben soll: Ein Forscher will das Verhalten von Kindern im Süden Afrikas untersuchen.

. Er holt alle Kinder des Dorfes zusammen und erklärt ihnen, dass er einen Wettlauf durchführen will. Er stellt einen Korb mit Früchten und Leckereien an einen entfernten Baum. Es soll ein „Auf-die-Plätze-fertig-los“ geben und wer zuerst den Korb mit den Leckereien erreicht, darf den ganzen Korb für sich behalten. Das Kommando erfolgt und siehe da, die Kinder nehmen sich an den Händen und laufen gemeinsam zum Baum, wo sich der Korb befindet. Erstaunt befragt der Forscher die Kinder nach dem Warum und Wieso ihres Verhaltens. Die Kinder erklären ihm: Das nennt man Ubuntu. Was habe ich davon, wenn ich gewinne und alle anderen traurig oder gar hungrig und verärgert sind?!

Unser Schulsystem kommt aus der fernen Zeit der beginnenden Industrialisierung und Bürokratisierung. Ziel war es brave Arbeiter und treue Verwaltungsbeamte zu formen und zu erzeugen. Bis auf wenige Ausnahmen bilden wir kurzsichtige Ellenbogenmenschen heran, bei denen nur eine rudimentäre Sozialkompetenz als Fraktion des Sozialinstinkts zurückbleibt. Der Trost ist, dass wir keine egomanischen Unmenschen sind, die immer mehr haben wollen, auch wenn andere darunter leiden. Die Angst nicht das Beste rausschlagen zu können ist nur anerzogen und nicht real. Soziales und ökologisches Bewusstsein bedeutet nicht Verzicht sondern Gewinn.

Wie oft wird derjenige der vordergründig gewinnt im Nachhinein doch zum Verlierer. Wir werden unsere gesellschaftlichen Mangelhaftigkeiten und Herausforderung nicht über Nacht oder morgen lösen und meistern können. Aber wir können im Moment eines Wimpernschlags bewusster werden und erkennen. Wir werden auch keine bessere Welt schaffen, wenn wir Begriffe wie „Mohr“ und „Neger“ aus den Kinderbüchern entfernen oder uns zwingen im Gender-Kauderwelsch zu sprechen. Erst wenn wir sozialkompetente Kinder hervorbringen, werden unsere Alten, kranken und lebenseingeschränkten Menschen nicht mehr missachtet, übervorteilt, gedemütigt und kaserniert sondern integriert, umsorgt und mit Nächstenliebe bedacht sein.

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